Am 10. September um kurz nach elf summten in ganz Deutschland wieder die Handys. Der sechste bundesweite Warntag ist vorbei, die Auswertung steht noch aus. Ein guter Moment, um nüchtern hinzuschauen: Wie gut kommt eine Warnung bei Ihnen an, und was können Sie selbst dafür tun?
So lief der Warntag 2026
Gegen 11 Uhr hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) eine Probewarnung über das Modulare Warnsystem des Bundes ausgelöst. Von dort ging sie an Radio- und Fernsehsender, digitale Anzeigetafeln, Warn-Apps und an Cell Broadcast, also direkt auf die Handys. Viele Kommunen haben zusätzlich ihre Sirenen und Lautsprecherwagen getestet. Gegen 11:45 Uhr folgte die Entwarnung.
Neu war in diesem Jahr: Auch die Entwarnung kam per Cell Broadcast aufs Handy. Diese Funktion gibt es erst seit dem 25. November 2025. Damit ist der Warnzyklus auf dem Handy jetzt vollständig: erst die Warnung, dann die offizielle Nachricht, dass die Gefahr vorbei ist.
Was die Zahlen vom letzten Jahr sagen
Die Ergebnisse für 2026 sind noch nicht veröffentlicht. Die Online-Umfrage lief bis zum 17. September, den Bericht zum Warntag 2025 hat das BBK im April 2026 vorgelegt. Diese Zahlen lohnen einen genauen Blick.
An der Online-Umfrage 2025 haben sich 117.073 Menschen beteiligt. 97 Prozent von ihnen wurden über mindestens einen Kanal erreicht, 79 Prozent sogar über mehrere. Cell Broadcast kam bei 73 Prozent an, Warn-Apps bei 67 Prozent, Sirenen bei 65 Prozent. Radio und Fernsehen spielten in dieser Umfrage mit 8 und 4 Prozent kaum eine Rolle.
Klingt nach einem sehr guten Ergebnis. Das BBK weist aber selbst darauf hin, dass diese Umfrage keine Zufallsstichprobe ist. Der Link wurde unter anderem über die Warn-App NINA verbreitet, wer die App nutzt, ist also überrepräsentiert. In der parallel laufenden repräsentativen Befragung lag der Anteil der Erreichten bei 94 Prozent. Immer noch hoch. Umgekehrt heißt das aber: Etwa jede siebzehnte befragte Person hat von der Probewarnung nichts mitbekommen.
Zwei weitere Befunde fallen auf. In der Stadt kamen die Warnungen meist besser an als auf dem Land, nur Radio und Fernsehen bilden da eine Ausnahme. Und nur etwa die Hälfte der Befragten kennt die Sirenensignale.
Die beiden Sirenensignale
Weil das so wenige wissen, hier noch einmal zum Mitnehmen:
- Warnung: ein auf- und abschwellender Heulton, eine Minute lang. Es besteht eine Gefahr. Informieren Sie sich über Radio, Fernsehen, Warn-App oder warnung.bund.de, was los ist und was Sie tun sollen.
- Entwarnung: ein durchgehender Heulton, ebenfalls eine Minute. Die Gefahr ist vorbei.
Die Sirene sagt Ihnen also nur, dass etwas passiert. Was genau, erfahren Sie über die anderen Kanäle. Deshalb setzt Deutschland bewusst auf einen Mix aus mehreren Warnwegen.
Was Sie an Ihrem Handy prüfen sollten
Für Cell Broadcast brauchen Sie keine App und keine Anmeldung. Die Nachricht wird wie ein Radioprogramm an alle Geräte in einer Funkzelle ausgestrahlt, der Absender kennt keine Telefonnummern. Ein paar Voraussetzungen gibt es trotzdem:
- Auf dem Gerät läuft Android 11 oder neuer beziehungsweise iOS 16.1 oder neuer, und die aktuellen Updates sind installiert. Ältere Geräte empfangen Cell Broadcast teilweise nicht.
- Das Handy ist eingeschaltet und nicht im Flugmodus.
- Die Warnstufen sind nicht abgeschaltet. Auf dem iPhone finden Sie das unter Einstellungen, Mitteilungen, ganz unten bei „Cell Broadcast Warnungen“. Auf Android heißt es je nach Hersteller etwas anders, meist über die Nachrichten-App, Einstellungen und „Notfallbenachrichtigungen an Mobilfunkgeräte“.
- Entwarnungen werden mit Warnstufe 3 verschickt. Wenn Sie diese Stufe abgeschaltet haben, bekommen Sie zwar die Warnung, aber nicht die Nachricht, dass alles vorbei ist.
Eine Warn-App wie NINA ergänzt das gut, weil sie ausführlichere Informationen liefert. Wichtig dabei: Orte abonnieren, an denen Sie und Ihre Angehörigen leben, und das Handy nicht dauerhaft stumm schalten.
Denken Sie an die anderen
Wer bis hierhin gelesen hat, ist vermutlich gut erreichbar. Schwieriger ist es für Menschen, die ein altes Handy haben, kein Smartphone besitzen oder die Sirenensignale nicht kennen. Oft sind das ältere Nachbarn oder die eigenen Eltern. Ein kurzer Blick auf deren Gerät und ein Satz zu den beiden Sirenentönen hilft im Ernstfall mehr als jede neue Technik.
Der nächste bundesweite Warntag ist am 9. September 2027 um 11 Uhr. Bis dahin lohnt es sich, die Einstellungen einmal zu prüfen. Am besten jetzt.
Lagemeldung ist kein Warndienst. Im Notfall wählen Sie sofort die 112 (Polizei: 110). Amtliche Warnungen erhalten Sie über Warn-Apps wie NINA, über Cell Broadcast und über Radio und Fernsehen.
Quellen
- Bundesregierung: Bundesweiter Warntag 2026
- BBK, Magazin Bevölkerungsschutz 2/2026: Warnsystem erneut erfolgreich auf die Probe gestellt
- BBK: Umfrageergebnisse zum Bundesweiten Warntag
- BBK: Informationsblatt Cell Broadcast (veröffentlicht von der Gemeinde Langensendelbach)
- Verbraucherzentrale: Cell Broadcast: Neues Warnsystem für Katastrophen in Deutschland
- KOMMUNAL: Bundesweiter Warntag 2026 (zur Entwarnung mit Warnstufe 3)
Titelbild: Nikolai Kolosov / Unsplash