Zum Inhalt springen

Zehn Tage ohne Einkaufen: Was der Notvorrat wirklich bedeutet

Die BBK-Checkliste einmal konkret durchgerechnet, mit Tipps für einen Vorrat, der auch genutzt wird
20. Oktober 2026 durch
Redaktion Lagemeldung

Zehn Tage ohne Einkaufen. So lautet die Empfehlung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für den Notvorrat. Die meisten nicken das ab und denken an ein paar Dosen im Keller. Rechnet man es einmal konkret durch, sieht die Sache anders aus.

Wie viel zehn Tage wirklich sind

Das BBK hat in seiner Checkliste aufgeschrieben, was eine erwachsene Person für zehn Tage braucht. Gerechnet wird mit rund 2.200 Kilokalorien am Tag. Für eine Person sind das:

  • 20 Liter Getränke
  • 3,5 kg Getreide, Brot, Kartoffeln, Nudeln oder Reis
  • 4 kg Gemüse und Hülsenfrüchte
  • 2,5 kg Obst und Nüsse
  • 2,6 kg Milch und Milchprodukte
  • 1,5 kg Fisch, Fleisch, Eier oder Volleipulver
  • gut 350 Gramm Fette und Öle

Für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen verdoppelt sich alles. Allein die Getränke ergeben dann 40 Liter, also rund viereinhalb Sechserpacks mit Anderthalb-Liter-Flaschen. Spätestens hier merken viele, dass das Regal im Keller nicht reicht.

Warum zwei Liter Wasser am Tag

Zum Trinken braucht ein Mensch mindestens anderthalb Liter am Tag. Das BBK rechnet trotzdem mit zwei Litern. Der halbe Liter mehr ist zum Kochen gedacht, für Nudeln, Reis oder Kartoffeln. Wer das vergisst, steht im Ernstfall mit einem Kilo Spaghetti und ohne Kochwasser da.

Daraus folgt ein praktischer Tipp, der in der Checkliste steckt: Gemüse und Hülsenfrüchte aus dem Glas oder der Dose sind schon gekocht. Sie brauchen kein zusätzliches Wasser und weniger Energie zum Erwärmen. Getrocknete Linsen oder Bohnen sind leichter und länger haltbar, kosten im Notfall aber Wasser und Brennstoff. Eine Mischung aus beidem ist meist die beste Lösung.

Kaufen Sie, was Sie ohnehin essen

Ein Vorrat nützt wenig, wenn er aus Dingen besteht, die keiner mag oder die niemand zubereiten kann. Bauen Sie ihn aus Lebensmitteln auf, die bei Ihnen sowieso auf den Tisch kommen. Frische Eier halten nur begrenzt, Volleipulver dagegen mehrere Jahre. Frisches Obst eignet sich nur, wenn es sich lagern lässt, sonst lieber zu Obst im Glas oder in der Dose greifen.

Beim Rechnen hilft der Vorratskalkulator des Bundeslandwirtschaftsministeriums auf ernaehrungsvorsorge.de. Dort lässt sich der Vorrat für den eigenen Haushalt durchrechnen und Stück für Stück abhaken.

Was neben dem Essen fehlt

Ein Notvorrat ist mehr als Lebensmittel. Die BBK-Checkliste nennt unter anderem:

  • Für einen Stromausfall: Taschenlampe, Reservebatterien, Kerzen und Teelichter, Streichhölzer oder Feuerzeug, einen Camping- oder Spirituskocher mit Brennstoff und ein Radio mit Batterien oder Kurbel.
  • Hausapotheke: die Medikamente, die Sie regelmäßig nehmen, dazu Verbandskasten, Schmerzmittel, Desinfektionsmittel, Fieberthermometer und Mittel gegen Erkältung und Durchfall.
  • Hygiene: Seife, Zahnpasta, Toilettenpapier, Müllbeutel und Haushaltshandschuhe.
  • Dokumente: eine griffbereite Mappe mit Kopien der wichtigsten Unterlagen.

Noch ein Hinweis zum Kochen ohne Strom: Gas- und Holzkohlegrills gehören nicht in die Wohnung. In geschlossenen Räumen entsteht Kohlenmonoxid, das man weder riecht noch sieht.

Wo wir als Land stehen

Eine Befragung des BBK zum Warntag 2025 hat auch nach der Vorsorge gefragt. 81 Prozent der Befragten hatten eine Hausapotheke, 76 Prozent Kerzen, Taschenlampen und Batterien. Lebensmittel für mehrere Tage hatten 68 Prozent. Ein Radio, das ohne Strom läuft, besaßen nur 42 Prozent, ein fertig gepacktes Notgepäck 18 Prozent.

Das Radio ist dabei die unterschätzte Lücke. Fällt der Strom länger aus, ist es oft einer der wenigen Wege, an verlässliche Informationen zu kommen. Wenn Sie in diesem Jahr nur eine Sache anschaffen, dann vielleicht diese.

Niemand muss seinen Vorrat an einem Samstag komplett einkaufen. Jede Woche zwei, drei Dinge mehr in den Wagen, und nach ein paar Monaten steht er. So wird der Vorrat ganz nebenbei Teil der normalen Haushaltsplanung.

Lagemeldung ist kein Warndienst. Im Notfall wählen Sie sofort die 112 (Polizei: 110). Amtliche Warnungen erhalten Sie über Warn-Apps wie NINA, über Cell Broadcast und über Radio und Fernsehen.

Quellen

Titelbild: Annie Spratt / Unsplash

Warntag 2026: Hat die Warnung Sie erreicht?
Was Handy, App und Sirene leisten, wo die Lücken liegen und was Sie selbst einstellen können