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Angriffe auf Kühlanlagen: was in Europas Supermärkten passiert ist

Unbekannte haben über das Internet die Kühlung von Supermärkten verstellt, auch in Deutschland. In Frankreich traf es zudem den Blutspendedienst. Was bekannt ist und was Sie für Ihren Haushalt mitnehmen können.
5. November 2026 durch
Redaktion Lagemeldung

In der Nacht zum 2. November 2026 wurde es in Kühlregalen und Tiefkühltruhen von Supermärkten in mehreren europäischen Ländern plötzlich warm. Unbekannte hatten die Steuerung der Kühlanlagen über das Internet verstellt. Auch Märkte in Deutschland waren betroffen. Die Versorgung in Deutschland ist nach Einschätzung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nicht gefährdet.

Zwei Wellen in drei Wochen

Den Anfang machte Frankreich. Mitte Oktober schalteten Unbekannte dort in Hunderten Supermärkten, nach einem Bericht in rund 700, die Kühlanlagen in den Abtau- oder Heizmodus. Die französische Cyberbehörde CERT-FR warnte am 12. Oktober vor der Kampagne.

In der Nacht zum 2. November folgte eine zweite Welle mit mehr als 100 betroffenen Märkten in Europa. Gemeldet wurden Fälle unter anderem aus Belgien, Schweden, Irland, den Niederlanden und Italien. In Irland nahm die Kette SuperValu in 13 Märkten gekühlte und tiefgekühlte Ware aus dem Verkauf.

Am selben Tag traf es auch den französischen Blutspendedienst EFS. Betroffen waren Kühlräume an drei regionalen Standorten, die über die Fernüberwachung eines Dienstleisters gesteuert werden. Nach Angaben des EFS gingen keine Blutprodukte verloren. Das Gesundheitsministerium verweist auf die Überwachungs- und Alarmsysteme der Einrichtungen. Ob ein Zusammenhang mit den Angriffen auf Supermärkte besteht, ist offen.

Fälle in Deutschland

In Deutschland ermittelt die Polizei in mehreren Fällen. Berichtet wurde unter anderem über Märkte in Lilienthal bei Bremen, in Reisbach in Niederbayern, Wuppertal und Wetter an der Ruhr. Auch ein Markt in Raesfeld meldete Störungen der Kühltechnik. Ob ein Angriff die Ursache war, wird dort noch geprüft. Das Polizeipräsidium Westpfalz meldete zwei betroffene Betriebe in den Landkreisen Kaiserslautern und Kusel, einen Supermarkt und einen lebensmittelverarbeitenden Betrieb. In mehreren Märkten musste Ware entsorgt werden.

Nach Angaben des BSI gegenüber dem Recherchenetzwerk CORRECTIV war außerdem die Medikamentenkühlung eines Pharmahändlers betroffen. Name und Ort sind nicht bekannt.

Der Weg hinein

Viele Kühlanlagen werden aus der Ferne gewartet. Dafür waren ihre Steuerungen teils direkt aus dem Internet erreichbar. Nach Angaben des Herstellers Danfoss waren vor allem ältere Modelle betroffen, für die es keine Updates mehr gibt. Die CERT-FR warnt, dass solche Geräte am Internet sehr wahrscheinlich angreifbar sind. In den Niederlanden liefen betroffene Anlagen laut Danfoss noch mit dem Standardpasswort und ohne gesichertes Netz. Wie genau die Angriffe gelangen, ist offiziell nicht geklärt.

BSI-Präsidentin Claudia Plattner sagte dazu: „Derartige Einfallstore laden regelrecht zu Sabotage ein.“ Das BSI rät Betrieben, solche Anlagen nicht direkt mit dem Internet zu verbinden. Fernzugriffe sollen über eine gesicherte Verbindung mit Mehrfaktor-Anmeldung laufen, und die Software muss aktuell sein.

Wer dahintersteckt, ist offen

Eine offizielle Zuschreibung gibt es nicht. Prorussische Kanäle im Messengerdienst Telegram haben die Angriffe Gruppen aus Russland zugeschrieben. Das BSI sieht dafür laut CORRECTIV keine Belege und hält es für möglich, dass Unbeteiligte die Angriffe ohne Beleg für sich beanspruchen. Nach Einschätzung des BSI waren die Angriffe ungezielt: Gesucht wurde nach angreifbaren Anlagen. Russland weist jede Beteiligung zurück.

Die EU-Kommission sprach laut AFP von einem gezielten Versuch, die Lebensmittelversorgung zu stören.

Was das für Ihren Haushalt heißt

Betroffen waren nach bisherigen Berichten Supermärkte und andere Betriebe. Für den eigenen Haushalt empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) unabhängig davon, sich möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können. Schon ein Vorrat für drei Tage hilft. Bevorzugen Sie haltbare Lebensmittel, die nicht gekühlt werden müssen, zum Beispiel Konserven, Nüsse oder Zwieback. Ein erwachsener Mensch braucht mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag.

Fällt zu Hause der Strom aus, halten Sie Kühlschrank und Gefriergerät möglichst geschlossen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen bleibt ein Kühlschrank etwa 4 bis 6 Stunden kalt, ein gut gefülltes Gefriergerät oft bis zu 48 Stunden. Sind Temperatur oder Lagerdauer unklar, entsorgen Sie die Lebensmittel lieber.

Im Notfall: 112. Die Lagemeldung ordnet ein und ist kein Warndienst. Aktuelle Warnungen erhalten Sie unter anderem über die Warn-App NINA, Cell Broadcast, Radio und Fernsehen.

Quellen

Titelbild: Eduardo Soares / Unsplash

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